Millionengewinn oder Milliardenverlust? Das Regelwerk macht’s

Wie gesagt, früher dachte ich ja, das Ermitteln von Unternehmensergebnissen sei eine ziemlich eindeutige Sache … dass das nicht immer so ist – gerade bei Software – habe ich im letzten Blogpost besprochen.

Wenn man ein besonders drastisches Beispiel dafür braucht, wie je nach verwendetem Regelwerk für die Buchhaltung ein grundverschiedenes Ergebnis rauskommt – da wird man auch hierzulande fündig, und zwar außerhalb der Softwarebranche.

Im März dieses Jahres berichtete DIE ZEIT unter dem schönen Titel “Wie man’s gerade braucht” über das Jahresergebnis 2011 der Commerzbank.

“Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass man mit Bilanzen so ziemlich alles machen kann, die Commerzbank hat ihn nun geliefert. Sie meldet für 2011 sowohl einen Gewinn von 638 Millionen Euro als auch einen Verlust von 3,6 Milliarden Euro – was stimmt denn nun?

Beides. Alles eine Frage der Methode. Der Gewinn steht unter dem Strich jener Bilanz, die die Bank nach den internationalen Bilanzierungsvorschriften IFRS aufstellt hat. Der Multimilliardenverlust ergibt sich in einer zweiten Bilanz nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB).”

Im deutschen HGB werden generell Vermögenswerte sehr viel vorsichtiger (niedriger) bewertet als im europäischen Regelwerk IFRS, das sich mehr an britisch-amerikanischen Denkweisen orientiert. Mehr dazu im Artikel DER ZEIT.

Und das hat für den Unterschied zwischen 683 Mio € Gewinn und 3,6 Mrd € Verlust gesorgt.

Schöner Nebeneffekt für die Commerzbank: da sie in der Finanzkrise mit einer stillen Einlage des Bundes unterstützt wurde, muss sie für diese Einlage Zinsen zahlen – sobald sie wieder Gewinn macht, und zwar in der Finanzberichterstattung nach deutschen Vorschriften, d.h. nach HGB. Für 2011 ist die Einlage also noch zinsfrei.

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